Aktuelle Pressemeldungen
Mit Charme gnadenlos präzise
Hattingen. Mit seinem Chanson-Kabarettprogramm „Pikanterien“ begeisterte der österreichische Vollblutentertainer Tom Haydn im Alten Rathaus Jung und Alt.
Mit lässig-elegantem Charme und doch gnadenlos präzis ins Schwarze treffend präsentiert Tom Haydn zusammen mit Michael Flügel am Piano und Saxophonist und Klarinettist Norbert Nagel seine Alltagsszenen voll hintergründigen Humors: Das nervige Taubenfüttern und die wienerische „Gute alte Zeit“-Nostalgie, die wahren (Ab-)Gründe für Bräuche wie den Leichenschmaus und die Skurrilitäten älterer Semester, die Schattenseiten der Tierliebe und des modernen Karrieremythos im Zeitalter der Gleichberechtigung und natürlich das Dauerthema Liebe in seinen zahllosen Facetten – all das schwungvoll. So schwungvoll, dass man auch die bissig-satirischen, makabren Untertöne genießen kann. Die Vorliebe fürs Ministrantenamt resultiert aus der Vorliebe für Begleiterscheinungen wie den Leichenschmaus - Rindfleisch mit Semmelkren – „Dafür könnt’ ich sterben!“ Ebenso ungeniert aufrichtig, wie Tom Haydn die Oberflächlichkeit dieses Brauches und der dörflichen Doppelmoral karikiert, illustriert er auch zu traurig-dunklen Saxophonklängen in dem Chanson „Wenn die Männer alt sind“ die oft so lächerlich anmutende Alterssexualität. Und dabei liegt doch angeblich die Gnade des Älterwerdens darin, dass man aus Fehlern lernt – oder nicht? Wesentlich unkomplizierter ist das Leben, wenn man eine unverbindliche Affäre hat – natürlich nicht mit einer smarten Karrierefrau wie der Elke, deren „Traumjob“ sie so völlig absorbiert, dass sie einen Freiraum nur noch im Alkohol findet. Die Probleme, die das Zusammenleben mit Katzenliebhaberinnen und vegetarischen Öko-Aktivistinnen so mit sich bringen kann, treiben einen Vollblutkerl dann auch in die Arme einer Metzgerin. Mit dem eindringlichen Song „Wann, wenn ned jetzt“ entlässt er sein Publikum. „der Westen“, 15.1.12
15.01.2012 - der Westen
Das Leben ist ein Untergang
Tom Haydn überraschte mit seinem grenzenlosen poetischen Pessimismus. Ob er es wohl gerne hört? Tom Haydn, der Liedermacher und Chansonnier aus St. Pölten, 44 Jahre alt, ist ein romantischer Pessimist. Wer ihn etzt beim Kabarettherbst im Kurtheater erlebt hat, war zunächst etwas irritiert. Denn Tom Haydn entspricht so gar nicht dem Bild, das man heutzutage von einem Kabarettisten erwartet. Er ist überhaupt kein Comedian, kein oberflächlicher Pointenschleuderer, kein Gag-Lieferant, kein Klischeewälzer. Er gehört zu der eigentlich aussterbenden Gattung der Kabarettisten die sich als Liedermacher verstehen, die Leises, Geistreiches verbreiten wollen, die ihr Publikum auch zum Lachen bringen wollen, aber vor allem zum Nachdenken - über sich selbst. "Schmähschmelze" hat der Österreicher und Wahl-Nürnberger sein neues Programm überschrieben. Er hätte es nicht treffender nennen können, denn e länger man sich diesen Titel vorsagt, desto plausibler wird er über das reine Wortspiel hinaus. Denn der "Weana Schmäh" ("Wiener Lästereien") verliert bei ihm seine klischeehaften Verkrustungen, seine Agressivität. Er wird weich, er schmilzt tatsächlich. Und er tut das so dezent, dass er nichts blindwütig mit sich mitreißt. Denn dazu ist er zu defensiv, zu behutsam. Zum einen, weil er als Pessimist ohnehin die Dinge eher auf sich zukommen lässt und sich sein Optimismus in bester Wiener - oder St. Pöltener Art - nur darauf beschränkt, dass ihm niemand seinen Pessimismus nehmen wird. Und zum anderen, weil er sehr viel von sich selber singt, von seiner Sicht auf die Welt und die Liebe und die Frauen: "Wozu die Hast, wenn man des End vo vornherein scho kennt?" singt er und beruhigt sich damit selbst. Und tatsächlich: Nach eder ersten Zeile eines Liedes weiß man schon, trotz aller emotionalen Höhenflüge, wie es ausgeht: "Man muss in der Früh nur den richtigen Koffer erwischen." Das große Problem ist das "nur". Auch wenn Tom Haydn zu Beginn von seinem Euro singt, der in Portugal, Griechenland oder Italien Urlaub macht, hält er die Politik weitgehend raus. Nur selten kommt er in die Nähe, wenn er etwa von Enttäuschungen singt, die ihm die Unglaubwürdigkeiten der Politik bereitet haben, oder wenn er auf Falcos Spuren wandelt bei dem Rap "No, wos kanna, da Obma?" (und antwortet: "Des waas kaana"). Dann scheint es ihm nicht um die diplomatischen Leistungen des amerikanischen Präsidenten zu gehen, sondern um die Möglichkeiten der Sprachrhythmisierung. Wie Haydn überhaupt ein Liedermacher und Sänger ist, der gerne mit der Sprache spielt, ihre Möglichkeiten ausreizt, ganz bewusst artikuliert, die Vokale modelliert, wobei ihm die Mundart seiner niederösterreichischen Heimat natürlich enorm entgegen kommt. Und Tom Haydn hat wunderbare Bilder, wenn er von der Jugend als "zwischen den Zeiten" singt, in der es "mal Ebbe, mal Flut, nie Mittelmaß gab". Oder wenn in "es herbstlt" "da Summa sich schleicht und da Woid macht a Modenschau." Es sind die vielen Zwischentöne, weniger in der Moderation als in den gesungenen Texten, die die Lieder so spannend machen. Und es ist die lakonisch-wirkungsvolle und manchmal melancholische Begleitung des "Orchesters" - Andres Blüml (Gitarren) und Norbert Nagel (Keaboard und Bassklarinette), die das Abheben der Gedanken unterstützen. Tom Haydn überraschte mit einem Abend der eher leisen Töne, der das Publikum zum genauen Hinhören brachte: Er ist einer der wenigen Kammermusiker unter den Kabarettisten.
22.11.2011 - Thomas Ahnert - Saale Zeitung
Melange aus Witz, Ironie und Melancholie
Österreicher Tom Haydn singt leise feine Chansons
Bad Salzuflen: Tom Haydn hat am Samstag in der Gelben Schule vor faszinierten Zuschauern die Vielfalt des Lebens ausgebreitet. Mit seinem Programm „Pikanterien“ traf er den Nerv der Zuschauer – aber ziemlich sanft. Der Chansonnier aus Österreich bot eine Melange aus Witz, Ironie und Melancholie. Er erzählte von guten und schlechten Eigenschaften, aber ohne erhobenen Zeigefinger. Er sang von Beerdigungen die er nur aufsucht, um Rindfleisch mit Meerrettichsoße zu essen. Die Tränen kommen von selbst, wenn man nur tüchtig an der Soße riecht. Er sang von der Liebe und vom Leben. Bei seinen kabarettistischen Liedern und leisen Weisheiten waren Pauken und Trompeten nicht nötig. Jedoch Klavier (Michael Flügel), Saxofon und Klarinette (Norbert Nagel). Die beiden Musiker begleiten Tom Haydn aufs Beste. Fein vorgetragen, genau beobachtet und klug interpretiert, so zeigte Tom Haydn das Leben aus seiner Sicht. Etwa bei der Liebesballade in der er seiner Liebsten Freiheiten lässt, um dann zu bitten: “Aber geh' mir nicht verloren“. Ein charmanter Poet, der manchmal zwickt aber meistens leise ist. (mk)
21.11.2011 - (mk) - Lippische Landes-Zeitung
ALTDORF – Der Lions-Club Altdorf lud ein.
"Der Lions-Club Altdorf lud ein, und der Betsaal des Altdorfer Wichernhauses füllte sich bis zum letzten Platz, zur Herbstbenefizveranstaltung mit dem Chanson-Kabarettisten Tom Haydn. Doch bevor der Meister des Couplets, begleitet von Norbert Nagel (Keyboard und Saxophon) und Andreas Blüml (Gitarre), die Bühne betrat, hatte Lions-Präsident Dr. Ulrich Bethcke noch eine freudige Aufgabe zu erfüllen: die Scheckübergabe an Bereichsleiter Thomas Bärthlein vom Wilhelm-Löhe-Haus sowie an Andreas Kasperowitsch, Schulleiter der Schule mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung im Wichernhaus Altdorf. Wozu braucht es Künstler, Neurotiker gibt’s doch schon genug, und die Welt wäre besser ohne die Verwirrung, die sie anstiften. Sie künsteln ihr Leben lang herum – vielleicht sind sie zu anderem zu dumm, nimmt Tom Haydn in kariertem Anzug und mit unverwechselbarem Akzent gleich im ersten Lied seines Programms sich und seine Kollegen auf die Schippe. Unverwechselbar, dieser Mann stammt aus Österreich. Charmant, diese Sprache, viel weicher und geschmeidiger als Deutsch. Seit 1991 hat der aus dem österreichischen St. Pölten stammende Liedermacher und Kabarettist seine Heimat in Nürnberg gefunden. Bekannt machten ihn seine inzwischen sechs Chansonprogramme sowie Auftritte im ganzen deutschsprachigen Raum, unter anderem beim Nürnberger Bardentreffen. Anerkennungen erhielt er in dieser Zeit einige, so unter anderem den Publikumspreis des Stuttgarter Chanson & Liedwettbewerb und den Förderpreis für junge Songpoeten der Hanns-Seidel-Stiftung. Seit Oktober 2006 präsentiert er seine eigene Nachtschwärmer-Show im Stadttheater Fürth: HAYDNs kleine Nachtmusik. Es erübrigt sich seine „Mitstreiter“ Nagel und Blüml vorzustellen – im Raum Altdorf sind die beiden Klasse-Musiker bestens bekannt, sei es durch Auftritte mit Wolfgang Haffner oder mit Konstantin Wecker. Gekonnt setzt Haydn seinen Dialekt in seinen Texten und Liedern ein, die teilweise an GeorgKreisler, Andre Heller, Reinhard Fendrich („Es herbstlt“) erinnern. Der Rap über Obama „No wos kanna da Obma“ („…, des was kaana“) ruft sogar Erinnerungen an Falco wach. Mitten hinein ins pralle Leben zielt diese witzig-ironische Mischung aus Chanson und Satire, mit aktuellen Themen wie Nachhaltigkeit – bei Haydn die Verschwendung von Kabarettprogrammen – und dem Nachspüren von Befindlichkeiten und Mann-Frau-Beziehungen: Während sie mit ihrem Weihnachtswunsch, einer Kettensäge, im Wald Bäume umschneidet, geht er „shoppen“. Ganz auf die Spitze treibt er die Klischees, lässt „ihn“ was Hübsches für drunter finden und später Migräne vortäuschen. Die neue Art der Brutalität, Versicherungen für alles, die immer mehr verflachenden Gefühle („alles is so gleich worn, so fad, sogar der Spaß is nimmer lustig und das Kabarett tut nimmer weh“) und der Tango über die erfolgreiche Geschäftsfrau Elke mit Alkoholproblemen sind weitere Glanzpunkte. Gänzlich schmilzt der Schmäh bei den Dingen, die Haydn wirklich wichtig sind. Da merkt man, dass diese Dinge ihm sehr am Herzen liegen, ihn persönlich betreffen. Das Älter-Werden mit dem nachdenklichen Lied „Zwischen den Zeiten“ mit einem wunderbaren Saxophonsolo, wenn die Liebe vergeht, Ent- und Selbsttäuschungen. Da wird der Ton ernster, die Lieder zu wehmütigen, sanften Balladen. Doch der, wie er selbst von sich sagt, zuversichtliche Pessimist weiß Rat: Den Moment leben, das Leben leicht nehmen und sich am Morgen entscheiden, welchen Koffer man heute tragen will – den weißen für eine positive Einstellung oder den schwarzen. Begeisterter Applaus für einen unvergesslichen Abend."
09.10.2011 - Krä/209 - Der Bote
"Ein Wiener Seitensprung der morbiden Art"
"In dieser Haltung könnte er auch zu nachtschlafender Zeit an einem Laternenmast lehnen: Die Hände tief vergraben in den Anzugtaschen, der Blick zerknirscht, gedankenschwer über den Missklang des Lebens lamentierend – während ihn ein schmaler Lichtkegel von oben aus der Dunkelheit reißt. Aber Tom Haydn steht nicht an irgendeiner Straßenecke, sondern mitten auf der Bühne der Meininger Kammerspiele. Er leidet auch nur ein bisschen, mehr von außen als wirklich von innen. Das hat wiederum etwas mit dem Fremdenverkehr zu tun, um genauer zu sein mit dem Klischee der Wiener. Als einer der 1,7 Millionen Statisten in Österreichs monarchistisch gesinnten Touristenmagneten ist dem Wiener an sich nämlich eine klar definierte Rolle zugewiesen „Er ist gelinde gesagt ein morbider Fatalist“. Mit zurückgegeltem Haar, breitem Wienerisch und viel Schmäh geht der Wahlfranke aus St. Pölten an diesem Kleinkunst-Abend allemal als Wiener Muster durch. Der Südthüringer Blick ist da recht großzügig. Und empfänglich für die Pikanterien des „G'schichteldrückers“. Dabei darf es schon einmal ein wenig anstößig zugehen, wie bei der „Ballade von der Metzgerin“, die so hocherotisch „nach totem Schlachtvieh riecht“. Obszön wird es jedoch nie, da beweist der Chansonnier Stilsicherheit. Und er beweist einen fein-humoresken Sinn für das scheinbar Nebensächliche. Für den Meerrettich im Leichenschmaus, der den falschen Trauernden die Tränen in die Augen treibt, für ärmellose Polyacrylschürzen mit großen Blumenmustern, wie sie enttäuschte Dorffrauen tragen, für die sportlichen Herausforderungen der Katzentoiletten-Reinigung, für das Kalkül beim organisierten Seitensprung. Tom Haydn – das ist musikalisches Kabarett von der delikaten leichten, der unpolitischen Sorte. Ohne Schenkelklopfen. Glücklicherweise."
12.09.2011 - Meininger Tageblatt "Ein Wiener Seitensprung der morbiden Art"
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